40 Jahre Polnische Literatur im
Literaturkalender vom Aufbau Verlags
(Mit Ausstellung aus Privatbeständen)
Polnische
Literatur mit Wort und Bild im Aufbau Kalender durch die Jahre:
1. Adam Mickiewicz 1973 / 1980 / 1981 / 1984 / 2005
2. Róża
Luksemburg 1980 / 1989 / 1996
3. Stanisław Lem 1975 / 1990
Juschu Zweig - Bruno Apitz 1990 /
2000
Bruno
Schulz - St.I. Witkiewicz 1984 /
1995
Jarosław Iwaszkiewicz 1981 / 1988
Stanisław
Przybyszewski 1979 /1995
Joseph Conrad: 1975 / 1995
Henryk Sienkiewicz 1996 / 2002
4.Mikołaj Rej - Jan Kochanowski 1973
Władisław Tatarkiewicz 1979
Tadeusz Różewicz 1983
Władislaw Stanislaw Reymont 1984
Tadeusz Hołuj 1985
Andrzej Kuśniewicze 1987
Jerzy Putrament 1989
Frédéric Chopin 1991
Wieslaw Myśliwski 1992
Wisława Szymborska 1998
Bolesław Prus 2002
Jerzy Andrzejewski 2009
Teil I – Die Kalenderausstellung
(Aus dem Ausstellungskatalog)
Nordflügel: DDR-Kalender 1973 -1989
1. Bild 1973: Mikołaj Rej Vater der
polnischen Literatur
2. Bild 1973: Adam Mickiewicz.Unser
Programm vom14.03.1749
3. Bild 1975:
Stanisław Lem Wacław Sadkowski über ihn
4. Bild 1975: Joseph Conrad Über mich
selbst, 1912
5. Bild 1979: Wladislaw Tatarkiewicz Melancholie
6. Bild 1979: Stanisław Przybyszewski Erinnerungen an das
literarische Berlin 1, 1930
7. Bild 1980: Adam Mickiewicz Róża Luksemburg über ihn 1, 1898
8. Bild 1981: Jarosław Iwaszkiewicz Plauderei
über Bücher und Leser, 1959
9. Bild 1983: Tadeusz Różewicz Der
unterbrochene Akt, 1963
10. Bild 1984: Bruno
Schulz Wolfgang Trampe, Kupferpfennig, 1976
11. Bild 1984:
Władislaw Stanislaw Reymont Die Kalendermacher über ihn
12. Bild 1984: Ev.
Friedenskirch in Świdnica (Schweidnitz) Armin Müller, 1978
13. Bild 1984: Adam Mickiewicz Róża Luksemburg über ihn 2, 1898
14. Bild 1985:
Tadeusz Hołuj Zur Person, dt. 1983
15. Bild 1987:
Andrzej Kuśniewicz Meine Literaturgeschichte, 1980
16. Bild 1988: Jarosław Iwaszkiewicz Zitatensammlung, 1961
17. Bild 1989: Róża
Luksemburg Die Sozialisierung der
Gesellschaft, 4.12.1918
18. Bild 1989: Jerzy
Putrament Rede zum Sofioter Schriftstellertreffen, 1977
Westflügel: Kalender aus der Übergangszeit 1990-1998
19. Bild 1990:
Stefan-Jerzy (Juschu) Zweig Bericht des Vaters Dr. Zacharias Zweig 1964
Bruno Apitz Wiederbegegnung
in Weimar 1964 – Nackt unter Wölfen, 1958
20. Bild 1990: Stanisław Lem 11.VIII.2039 - Aus den Erinnerungen von Iljon Tichy
21. Bild 1991: Joseph Conrad Gaspar Ruiz. 1906
22. Bild 1991:
Frédéric Chopin Heinrich Heine, „Lutetia“ 1854
23. Bild 1992: Wieslaw Myśliwski „Stein auf Stein“, übersetzt von Henryk Bereska
24. Bild 1995:
Stanisław Przybyszewski Erinnerungen an das literarische Berlin 2,
1930
25. Bild 1995: Bruno Schulz an Stanisław Ignacy Witkiewicz, 1935
26. Bild 1996: Rosa Luxemburg Briefe aus dem Gefängnis - Wronke, 23.05.1917
27. Bild 1996: Henryk Sienkiewicz Briefe aus Amerika, 1879
28. 1997: Literatur-Hemd
29. Bild 1998: Wisława Szymborska Das Schreiben eines Lebenslaufs
30. Bild 1998: Adam Mickiewicz Stephan Hermlin, Rede über Mickiewicz, 1955
Ostflügel: Ankunftskalender 2000-2010
31. Bild 2000:
Stefan-Jerzy (Juschu) Zweig / Bruno Apitz
Treffen mit „Lagervätern“
32. Bild 2002:
Bolesław Prus „Lalka - der erste realistische Roman
Henryk Sienkiewicz 1905 Nobelpreis für „Quo vadis“
33. Bild 2005: Adam
Mickiewicz Pan Tadeusz, das letzte bedeutende
Versepos der europäischen Literatur
34. Bild 2009: Jerzy
Andrzejewski Die Pforte des Paradieses - Kinderkreuzzug
Tei II - Lesung
38. Lesung
(den Anregungen der Kalendermacher folgend):
1.
Der
Untersuchungszeitraum und der Leseabend begannen mit dem Kalenderjahr 1973, dem
6. Jahrgang. An diesem Anfang - analog zur Polnischen Literatur - stand Mikołaj
Rej (1505-1569). Nach zwei Epigrammen folge eine Textstelle über den Feind und seinen Spott, über Herrgott und „unsere“ Fahrlässigkeit (Ein Text aus dem Jahre
1568, so als wäre es gestern). Danach kam sein Zeitgenosse Jan Kochanowski (1530-1584) mit den „Klageliede“ I, IV, V (für die
Tochter Orszula).
Soviel
zu der Hochblüte der Polnischen Renaissance, auch „goldenes Zeitalters“
genannt.
2.
Aus
Krolewska Huta schrieb am 9.6.1898 Róża Luksemburg (1871-1919) über Polens Roggenfeder, Wiesen,
Wälder, Sprache, Bauern und ein schlesisches Dorf (an Leo Jogiches).
Rosa
Luxemburg, eine Kandidatin für einen eigenen Abend?
3.
Der
große Realist Bolesław Prus (1847-1912) entführte uns in die nordöstliche Ecke Afrikas, (als wären wir
alle irgendwann dort gewesen.) nach Ägypten; das Vaterland der ältesten Zivilisation der Welt, als in Mitteleuropa
die mit rohen Fellen bekleideten Barbaren sich noch in Höhlen verbargen. Aus:
Einleitung zum „Pharao“ (1895-96).
In Erwartung eine Prus` Abends.
4.
Gabriela Zapolska (1859-1921), „Zeugin einer Urszene
der feministischen Bewegung“ (FAZ),
berief sich in „Kathrin, die Karyatide“
(1887) auf Ignacy Krasicki: über
Gesehenes zu schreiben …
gemeinsam dieses Riesenland betrachten,
dieses Unglück, das im Verbrechen endet … (Vorwort).
Auch sie wird uns noch beschäftigen.
5.
Nicht von, sondern über Władislaw Stanislaw Reymont (1867-1925) erfuhren wir die
Hintergründe, wie er 1924 den Nobelpreis zuerkannt bekam. (Nach Jozef Trypucko
- Uni Upsala)
6.
Maria
Dąbrowska (1889-1965) öffnete für uns ihr „Tagebuch“ 17.1.1929: Sie geht
der Streitfrage nach, wer als erster überhaupt in Polen über Agrarproletarier
geschrieben habe. Sie! Ihre „Landlosen“ sind drei Jahre zuvor erschienen. Hier
soll Hułka-Laskowski schwer geirrt haben.
7.
Mit
Jan Parandowski (1895-1978) kehrten wir in das alte Griechenland zurück, im
dritten Vollmond nach der Sommersonnenwende, im elischen Monat Parthenios, wird
Olympia die Kämpfer und Gäste empfangen … Und alle Welt sei rein von Mord und
Verbrechen und still von Waffengeklirr, sowohl Zeit wie Ort der Spiele -
Gottesfriede. ( „Der Olympische Diskus“, 1933).
Als
Abwechslung gab`s „Alchimie des Wortes“ (von 1951), ein Text über den
Schriftsteller solange er lebt und nach dem Tode im Pantheon der Literatur als
Schatten.
8.
Wisława
Szymborska (*1923) oder der zweiter Versuch, sie nach
Nürnberg zu locken, mit
Ihrem
Gedicht: Was zu tun ist beim „Schreiben eines Lebenslaufs“. (Textauswahl Aufbau
Verlag)
Der
Wettlauf um Wisława Szymborska hat begonnen.
9.
Wladisław Broniewski
(1897-1962) Gedicht „Leichtathletik“, in dem er die Olympioniken,
Athleten und Erringer von
Weltrekorden rief: „… noch vor dem Morden … das alte Europa der
Krisen /der Not, mit dem
Wolfsgesetz … // Für Macht und Profit, Dividenden / soll Jugend,
verführt von Parolen, / in
schlammigen Gräben enden - / der Kriegsindustrie zum Wohle“.
Von Anfang an ist Wladisław
Broniewski ein Kandidat für einen eigenen Abend.
10.
Von
Zofia Nałkowska (1884-1954), „wieder“ eine Feministin und „grande dame“
der Polnischen Literatur, hat der Veranstalter zur Einstimmung für ein späteres
Projekt die erst Seite der „Affäre der
Teresa Hennert „ (1923/24) ausgewählt. Zofia Nałkowska ist auch auf der
Wunschliste.
11.
Bei Tadeusz Różewicz (*1921) hat uns ein beliebtes Motiv
der Polnischen Literatur
interessiert. Das verlorene linke Bein, das
dauernd schmerzt und dessen man sich bedienet, in
einer schwachen Stunde, wenn ein
Zusammenbruch droht. (Der unterbrochener Akt, 1963)
In Erwartung von Tadeusz Różewicz im Krakauer Haus, irgendwann?
12.
Władisław Tatarkiewicz (1886-1980) war die
eigentliche Überraschung (neben Tadeusz Hołuj)
und selbst für eingefleischte
Polonia-Polonisten eine Neuentdeckung. Hier das Gedicht
„Melancholie“ (1905): Die letzten Worte sind
zerbrochen / Das Lachen starb auf deinen Lippen …
13.
Die Textauswahl von Jerzy Putrament (1910-1986) hat eine lange Vorgeschichte.
In der
Geschichte „Herbst“ geht es um den zauberhaften
September in Pranie bei Gałczynskis. „Diese
Farben! Bronzefarbene Eichen, rostfarbene
Pappeln, goldene Haselsträucher, silberne
Spinnweben, beträufelt mit dem
allgegenwärtigen diamantenen Tau, blaugrüne Kiefern.“
Es folgt eine Tagebuchnotiz vom 6.12.1953: Gałczyński
ist tot. … Höchste Funktionäre und
Karrieristen gaben ihm den Spitznamen
„Kleinbürgerlicher Kanarienvogel“.
(Schon vor Jahr und Tag wurde den
Kalendermachern in Berlin der Vorschlag unterbreitet, den
bemalten Vogel Konstanty Ildefons Gałczyński in ihren Kalender aufzunehmen.
Wahrscheinlich
ist diese E-Mail bei ihnen nie angekommen.)
Auf besonderen Wunsch wurde zusätzlich der
Text vorgetragen, wie sich Putrament einen privaten
„Warzsawa“ kaufte, der aus Teilen montiert
war, die in Moskau hergestellt wurden und was er bei
seiner ersten Fahrt erlebt hat.
14.
Den Abschluss des Abends bildete Kazimierz Brandys (1916-2000) „Die Verteidigung des
Granada“ (1955). Nach fünf Jahren Krieg –
denkt der Mensch – kann ich nicht sprechen … Aber
lehrt mich sprechen. Ich will lernen, wie
ein Mensch spricht, will die Begriffe Gut und Böse
bestimmen, will sagen: „Das ist der Himmel“
und „Das ist die Erde“, „ja“ und „nein“ – oder ganz
einfach: Ala geht in den Wald“… (Und dazu
wurde der Elementarz von Marian Falski gezeigt.)
Für die diesjährige zwölfte
Kalenderwoche haben die Kalendermacher Hubert Fichte (1935-1986)
mit Wort und Bild geehrt. Seiner wurde an
diesem Abend auch gedacht.
Wiedervorlage für 2011:
Józef
Kraszewski / Ignacy Krasicki / Juliusz Słowacki / Tadeusz Breza / Leon
Kruczkowski /
Igor Newerly u.a.
(Bei der Analyse standen die erste fünf
Kalenderjahrgänge und die Jahre 1974, 1976, und 1978
nicht zur Verfügung.)
M. Heimrath